Reader.

25. Juli 2011

Classics: Der Vorleser

Autor: Bernhard Schlink
Ersterscheinung: 1995
Besonderheiten: übersetzt in 39 Sprachen
Beendet am: 24. Juli 2011
Wieso gelesen? Diskussion im Seminar

Kurzzusammenfassung:
Sie ist reizbar, rätselhaft und viel älter als er... und sie wird seine erste Leidenschaft. Sie hütet verzweifelt ihr Geheimnis. Eines Tages ist sie spurlos verschwunden. Erst Jahre später sieht er sie wieder. Die fast kriminalistische Erforschung einer sonderbaren Liebe und bedrängenden Vergangenheit.

Persönliche Meinung:
Letztes Semester hatte ich an der Uni ein fachdidaktisches Seminar zur Literaturwissenschaft, in dem eine Diskussion ausbrach über die Tauglichkeit des Buches Der Vorleser für den Unterricht. Es gab sehr verschiedene Ansichten, manche haben das Buch in der Schule gelesen und geliebt, anderen sind die doch sehr ausführlich beschriebenen Sexszenen, die meistens mit Gewalt und Unterwerfung verbunden sind, zu "krass" für den Unterricht, da diese bei den Schülern Scham auslösen könnten und somit einen produktiven Unterricht verhindern würden.
Da ich bislang nur den Film gesehen hatte, konnte ich mich nicht wirklich dazu äußern, und so habe ich mir nach den Klausuren jetzt das Buch vorgenommen. Ich habe es in nur einem Tag gelesen, es hat mich gefesselt und berührt, aber ich kann nicht genau sagen, weshalb. Der Schreibstil Schlinks ist eigenartig, er benutzt viele kurze Sätze und die Kapitel sind nie länger als 3-5 Seiten. Dadurch kam ich nicht in das Gefühl der Erzählung hinein, sondern fühlte mich eher, als würde ich einen Bericht aus der ich-Perspektive lesen. Das war ungewöhnlich für mich, doch durchaus interessant und ansprechend.
Die Szenen des 1. Teils des Buches sind für die Schule meiner Meinung nach wirklich hart an der Grenze, aber ich denke, mit einem aktiven und reifen Kurs kann es durchaus viel Spaß machen, dieses Werk zu lesen - es geht um Sex, den Holocaust, Schuld, Scham und Vergebung, alles Themen, die Jugendliche durchaus ansprechen und motivieren.

Ein besonderes Buch der deutschen Literatur, das wohl jeder einmal gelesen haben sollte.

Zitate:
** Gefährlicher als hinzugehen war, nicht zu gehen. Ich lief Gefahr, von meinen Phantasien nicht loszukommen **

** Oft genug habe ich in meinem Leben getan, wofür ich mich nicht entschieden hatte, und nicht getan, wofür ich mich entschieden hatte **

** Warum wird uns, was schön war, im Rückblick dadurch brüchig, daß es häßliche Wahrheiten verbarg? **

** Stell dir vor jemand rennt in sein Verderben, absichtlich, und du kannst ihn retten - rettest du ihn? **

** Oder gibt es "zu spät" nicht, gibt es nur "spät", und ist "spät" allemal besser als "nie"? **

** Die Schichten unseres Lebens ruhen so dicht aufeinander auf, daß uns im Späteren immer Früheres begegnet, nicht als Abgetanes und Erledigtes, sondern gegenwärtig und lebendig **

Meine Wertung: 4 / 5

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